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Vorläufiges Aus für Windkraft im Landkreis Forchheim

09.04.2014

Als eine seiner letzten Handlungen im Amt hat der scheidende Landrat Reinhardt Glauber, gemeinsam mit Bürgermeister Seeber (Pinzberg) und Bürgermeister Stumpf (Forchheim), in der heutigen Sitzung des Regionalen Planungsausschusses Oberfranken-West Antrag auf Herausnahme der Windvorrangflächen Pinzberg/Effeltrich/Poxdorf gestellt. Die Flächen wurde daraufhin gestrichen. Somit hat der Landkreis Forchheim keine einzige Windvorrangfläche mehr.

Windrad Gegenbeispiel:
Die Gemeinde Wildpoldsried <http://www.wildpoldsried.de/index.shtml?wir>im Oberallgäu betreibt seit 2005 eine Dorfheizung mit mehreren nachfolgenden Erweiterungen. Sie fasst 2010 den Beschluss, bis 2020 100 % regenerativ zu werden, und setzt diesen Beschluss mit 7 CSU- und 7 FW-Gemeinderäten in 2013 mit 470 % Eigenversorgungsquote mehr als um. Sie wird 2012 zum Windstützpunkt Bayern ernannt, empfängt Besucherdelegationen aus der ganzen Welt (u.a. aus Fukushima - lange vor dem GAU), und betreibt etwas in der Fränkischen Schweiz noch nie Gehörtes: Energietourismus! Trotz all diesen Erfolgen hat sie heute immer noch weitere Ziele, u.a.: "bis 2020 jedes Haus ein Kraftwerk". Die Erhebung vor ihrer Tür sieht sie als "Geschenk des Herrgotts", auf den sie 7 Windräder setzen kann, alle in Bürgerhand.

Und Wildpoldsried ist bei weitem nicht die einzige Gemeinde und Oberallgäu nicht der einzige Landkreis, wo zukunftsorientiert und mutig gehandelt wird. Im Landkreis Forchheim gehen die Uhren offenbar langsamer und es dauert länger, bis die Einsicht der Notwendigkeit der Umstellung unserer Energieversorgung auf CO2-freie und erneuerbare Energien in den Köpfen angekommen ist.

Die Tageszeitung schrieb gestern in ihrem Kommentar zu den derzeit wieder überall geführten Energiewendediskussionen: "Wir haben aus den Augen verloren, warum wir diese Energiewende überhaupt wollen und bezahlen. Nicht wegen Fukushima. Nicht wegen der grünen Jobs. Nicht weil sich die deutsche Industrie damit den nächsten Exportschlager sichert. Sondern weil uns der zusehends instabile Zustand der Atmosphäre und die Folgen für die Erde keine andere Wahl lassen, als unseren Hunger nach Kohlenstoff möglichst schnell auf Nulldiät zu setzen. Und weil wir mit den erneuerbaren Energien eine kostengünstige Alternative dazu haben, entweder im Dunkeln zu frieren oder im Klimawandel die Erde zu rösten."

Und eine der Autorinnen der IPCC-Berichts, Edeltraut Günther, fügte am gleichen Tag, ebenfalls in der TAZ, in einem Interview hinzu: "Wir reden immer nur von den Kosten des Klimaschutzes oder der Energiewende. Und nicht vom Nutzen, den wir und vor allem nachfolgende Generationen dadurch haben werden. Diese Kritik geht übrigens auch an die Medien. Unser Berechnungssystem ist falsch: Wir bewerten zukünftige Klimaschäden geringer als heutige, weil sie noch lange auf sich warten lassen, und bewerten unsere Gewinne in der Gegenwart zu hoch. Wir gehen viel zu sehr von unserem jetzigen Lebensstil aus und verlängern ihn in die Zukunft, obwohl wir wissen, dass er nicht auf Dauer für alle gelten kann. ... Es ist nicht der richtige Weg und auch wirtschaftlicher Unsinn, bis zum Ende Gewinne zu machen und dabei die Erde unbewohnbar zu machen. Zum Bruttoinlandsprodukt tragen ja sowohl die Schäden als auch ihre Beseitigung bei. Aber wenn Unternehmen ökonomisch erfolgreich sind und dafür ganze Regionen unbewohnbar werden, dann ist das der falsche Weg. Ich bin Betriebswirtin, Gewinnorientierung gehört ursächlich zu einem sinnvollen Wirtschaften. Aber unser Planet hat oberste Priorität. Wir brauchen ihn, um hier leben und wirtschaften zu können. Ohne Naturkapital kann ich keine Gewinne erwirtschaften. Wir haben nur eine Erde."

Lassen Sie uns in diesem Sinne im (noch) schläfrigen Landkreis Forchheim einstweilen die Umstellung unserer Energieversorgung mit Photovoltaik und Kraft-Wärme-Kopplung etc. - und vor allen Dingen mit sachlicher Information und Aufklärung - vorantreiben.